Der Ruf
Horch auf
das Knistern
in der Nacht.
Es kommt von
Deiner Tür.
Es kratzt und knirscht
und ganz zu Recht,
kommt dir
das alles seltsam vor.
Du setzt dich auf
und horchst ins Dunkel.
Du bist ganz Ohr
und fühlst dich wach.
Du folgst dem Scharren,
das sich versteckt
nicht hinter Schrank noch hinter Flur.
Es ruft von draußen dich.
Der Ruf -
Er lockt dich fort
bis in den dunklen Garten.
Das Gras umschließt die Füße
und die Frösche schlafen.
Der Ruf -
Er scheint von weiter weg.
Das kleine Türchen da
führt dich vom Garten weg.
Nun ist es ihm gelungen.
Er führt dich fort
auf fremden Grund.
Der Ruf -
er führt dich raus
aus Haus und Hof.
Ein trüber Nebel
kommt nun auf.
Der schale Nebel
legt sich dicht
und wird zum leichten Netz.
Gesponnen wie von Spinnen
die sich immer mehr vernetzen.
Gib doch jetzt acht!
Und bleib mal stehen.
Denk doch mal nach
und folg nicht jedem Ruf.
Mitten in der finstren Nacht!
Doch du -
Dich wundert nichts -
bis du dir fasst in dein Gesicht.
Doch deine Arme sind so schwer.
Die Finger -
Die sind schon eingewickelt
wie in kaltes Pappmaché!
Vom Boden endlich
hebt dich dieses fremde Band -
Wie von vielen Geisterhänden
ersonnen und gestrickt.
Was will mir das denn alles sagen?
Die Faust versucht
nun zornig sich zu ballen.
Zu spät, jetzt wird der Träumer wach.
Dein Mund steht offen.
Der Atem stockt.
Die Qual lässt noch nicht nach.
Die Qual -
Ist doch der Schmerz tief drin.
Im Herzen tut es ihm so weh.
„Ach gib mich frei!“
So fleht er nun.
Wie arg es um ihn steht!
Wir alle müssen es sehen!
Und doch -
Ein Zurück,
das gibt es nicht.
Er wird nun schwach
und wünscht sich klein.
Er will ab nun ein
guter Nachbar sein.
Er will sich sorgen
um die Blumen, Bäume, Sträucher.
Ja, er will das alles plötzlich selber sein.
Ja, er will sie achten
all die Dinge
die ihm schienen
so nichtig und so klein.
Seine Freiheit
merkt er
hat er ganz verloren.
Verwegen wird sein Sinnen -
Er will ab nun
nicht nur fremde Früchte teilen.
Er ist bereit nun
auch Etwas von sich selbst zu geben.
Wunder soll es also geben -
Im Angesicht des fernen Glücks.
Still im Glück zu sitzen -
Ohne diese kalte Form.
Die ihn nun gegossen
in einen toten Kokon.
Das Schlimmste ist,
das weiß er jetzt,
sind nicht die alltäglichen Sorgen.
Das Schlimmste ist -
Dass er zum Ding geworden!
Zu irgendeinem Ding -
Wie einem alten Ring.
Mit dem mal spielt
bis man aus Überdruss
Ihn wirft in irgendeinen Fluss.
Regt sich dein Herz?
Du guter Mensch.
So sei gewiss.
Der Herr verfährt
genau nach dieser Art.
Denn nach dieser Lehre
erfüllt er dem Träumer seinen Wunsch,
nun endlich ganz und heil zu sein.
Der Träumer wird zum Fluss.
Zu seinem kleinsten Teil.
Glücklich ist das Element,
lebendig in der Vollkommenheit,
das sich Erde nennt.
Der Träumer wurde
reich beschenkt -
Von einem, der liebt -
Und Leben schenkt.
Der Fluss,
der atmet ganz wie du.
Will leben frei und ganz und heil!
Drum lass das Knirschen in der Nacht!
Lass das sinnlose Rufen sein!
Und spinne auch kein Netz -
Sonst musst du leiden -
Wie der Träumer in der Nacht.